[18.03.2009 | Auswertung Unternehmensumfrage]
Auswertung Unternehmensumfrage:
Sozial- und Umweltstandards bei der Beschaffung von Diamanten:
Unternehmen kontrollieren Lieferkette unzureichend
Siegburg, 18.03.2009 SÜDWIND hat deutsche Unternehmen befragt, ob diese bei ihren Diamantenlieferanten die Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards einfordern. Die Auswertung der Umfrage ergab, dass lediglich einige Schmuckunternehmen erste Schritte zur Kontrolle der Zulieferkette unternommen haben. Die Reaktionen der Unternehmen machen deutlich, dass entlang der Lieferkette noch vieles verändert werden muss, um die Situation der Menschen in den Fördergebieten Afrikas und den Schleifereien in Indien zu verbessern.
Internationale Abkommen und nationale Gesetze legen Standards für die Förderung und Verarbeitung von Diamanten fest. SÜDWIND hat Ende 2008 in der Studie „Der härteste Stoff der Welt“ belegt, dass in den Fördergebieten von Diamanten in Sierra Leone und der Demokratischen Republik Kongo nicht einmal Mindeststandards eingehalten werden. Auch in vielen Diamantenschleifereien in Indien, wo rund 90 Prozent der weltweit verwendeten Diamanten verarbeitet werden, gibt es erhebliche Missstände.
SÜDWIND hat daher 10 Anbieter aus der Schmuckbranche befragt, ob sie ihre Lieferantenkette kennen und ob sie wissen, welche Umwelt- und Sozialstandards dort umgesetzt werden. Mit Christ, Galeria Kaufhof und Arcandor haben drei Unternehmen mit speziellen Vorgaben für die Lieferanten erste Schritte unternommen, die Lieferantenkette zu kontrollieren. Otto verweist auf den allgemeinen Verhaltenskodex, der für alle Zulieferer gilt. Andere Unternehmen haben nach eigener Aussage entweder keinen Überblick über die Lieferantenkette oder antworteten gar nicht erst.
Von den Herstellern von Werkzeugteilen hat lediglich Siemens geantwortet. Das Unternehmen verweist auf einen für alle Lieferanten geltenden Verhaltenskodex. Weitere angeschriebene Unternehmen reagierten nicht auf die Anfrage.
»Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass die Diamantenbranche von einem umfassenden Ansatz noch weit entfernt ist«, so SÜDWIND-Mitarbeiter Friedel Hütz-Adams, Autor der Studie über den Diamantenmarkt und verantwortlich für die Befragung der Unternehmen. »Der Verweis mehrerer Unternehmen auf die Einhaltung von Standards, die sich Unternehmen, Börsen oder auch der weltweit führende Diamantenförderer und -händler De Beers selbst gegeben haben, kann nur ein erster Schritt sein.«
Die Umfrage zeigt zudem, dass bei den Produzenten von Werkzeugteilen noch wenig Problembewusstsein vorhanden ist. Dies liegt vermutlich daran, dass bei den bisherigen Diskussionen über Diamanten deren Verwendung als Schmuck im Mittelpunkt stand. »Der größte Teil der in der Demokratischen Republik Kongo geförderten Diamanten ist für die Produktion in der Industrie gedacht. Damit ist offensichtlich, dass bei den Produzenten von Werkzeugteilen erheblicher Nachholbedarf bei der Kontrolle ihrer Lieferkette besteht«, so Hütz-Adams.
Doch auch die Politik ist gefordert. »Die Bundesregierung muss von hiesigen Unternehmen die Umsetzung bestehender internationaler Abkommen – darunter die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen – einfordern und die Einhaltung der Bestimmungen kontrollieren. Sie sollte sich zudem für sanktionsbehaftete völkerrechtliche Regelungen des Verhaltens von Konzernen einsetzen.«
Die detaillierte Auswertung der Umfrage (Länge: 6 Seiten) finden Sie unter http://www.suedwind-institut.de/downloads/2009-03-18_SW_Auswertung-Fragebogen-Diamanten.pdf auf unserer Website.
Die Studie »Der härteste Stoff der Welt - Globaler Diamantenhandel von der DR Kongo und Sierra Leone über Indien nach Deutschland«, 76 Seiten, Preis: 7,50 €, ab 10 Exemplare 3,50 €, kann bei SÜDWIND bestellt oder auf der Website (http://www.suedwind-institut.de/downloads/2008-08_SW_Diamanten-Studie.pdf) heruntergeladen werden.
Kontakt: Friedel Hütz-Adams: 02241-259735, huetz-adams@suedwind-institut.de.