Preisgestaltung in der Wertschöpfungskette Kakao – Ursachen und Auswirkungen

Nachhaltigkeitsbemühungen im Kakaosektor stehen derzeit vor großen Herausforderungen. Der Kakaopreis ist seit September 2016 von knapp 3.000 US-Dollar bis Ende Juni 2017 auf rund 1.900 US-Dollar je Tonne massiv gesunken. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Einkommenslage der Bäuerinnen und Bauern.
Die vorliegende Studie zeigt, dass es auf dem Kakaomarkt Konzentrationsprozesse bei Händlern und Verarbeitern von Kakao sowie im Lebensmitteleinzelhandel gibt. Allein die drei größten Unternehmen, Barry Callebaut, Cargill und Olam International, verfügen über die Kapazität, zwei Drittel der Welternte zu verarbeiten. Dem steht auf der Angebotsseite von Kakao kein adäquates Gegengewicht gegenüber. Ein Großteil der weltweit geschätzt fünf Millionen Bäuerinnen und Bauern ist nicht organisiert, was ihre Situation in der Wertschöpfungskette massiv schwächt.
In Westafrika, woher rund 70 Prozent der globalen Kakaoernte stammen, sind schätzungsweise nur 30 Prozent der Bäuerinnen und Bauern organisiert. Zusätzlich fehlt es an nationalen und internationalen Verbänden. Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass rein spekulativ orientierte Anleger den Kakaopreis an der Börse beeinflussen. In beiden Bereichen sind über die in der vorliegenden Studie dargelegten Punkte hinaus tiefergehende Recherchen erforderlich, um die aufgezeigten Tendenzen zu untersuchen. Die Bäuerinnen und Bauern haben keinen Einfluss auf die Weltmarktpreise. Bei deren Gestaltung spielt die Frage keine Rolle, ob die Bäuerinnen und Bauern über ein existenzsicherndes Einkommen verfügen.
Im Cocoa Barometer 2015 wird von einem Einkommen aus Kakao von 0,50 US-Dollar pro Kopf und Tag in der Côte d’Ivoire und von 0,84 US-Dollar in Ghana ausgegangen – weit unter der Armutslinie der Weltbank von 1,90 US-Dollar pro Kopf und Tag. Ansätze von standardsetzenden Organisationen haben daran wenig ändern können. Die gezahlten Prämien sind zu niedrig, um maßgeblichen Einfluss auf die Einkommen der Bäuerinnen und Bauern nehmen zu können.
Artikelnummer: 2018-1
Erscheinungsjahr: 2018
Umfang: 36 Seiten
Autor: Friedel Hütz-Adams u.a.
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