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Die Kraft der Regulierung: Wie die EUDR schon jetzt Wirkung entfaltet

Straße durch einen Wald in Rumänien als Symbol für Entwaldung und die EU-Verordnung EUDR zum Schutz von Wäldern

Von Maike Adams

Immer wieder wurde in den letzten Monaten von großen Auseinandersetzungen um eigentlich längst beschlossene EU-Gesetze berichtet – und von ominösen Omnibuspaketen, die die EU plötzlich in großer Zahl auf den Weg bringt. In der Öffentlichkeit untergegangen ist dabei, dass einige dieser Gesetze unter dem Dach des europäischen Green Deals bereits Positives bewirken konnten. Dazu zählt neben dem Lieferkettengesetz auch die Europäische Entwaldungsverordnung, die EUDR.

Entwaldung: ein großes globales Problem

Entwaldung stellt ein schwerwiegendes globales Problem dar, sowohl für Menschen als auch für Umwelt und Klima. Die systematische Zerstörung von Waldflächen befeuert die Klimakrise und den Biodiversitätsverlust, der auf einen dramatischen Höchstpunkt zusteuert, beraubt Menschen ihrer Existenzgrundlage und geht wiederholt mit Landraub von oft ohnehin schon marginalisierten Gruppen einher.

90 % der weltweiten Entwaldung erfolgt im Zuge der landwirtschaftlichen Produktion – und eben hier setzt die EUDR an. Die größten Flächen werden für die Rohstoffe und Erzeugnisse aus Soja, Palmöl, Rind, Kaffee, Kakao, Kautschuk und Holz entwaldet. Deswegen beschränkt sich die EUDR zunächst einmal auf diese sieben zentralen Rohstoffe.

Bereits die Ankündigung der neuen Verordnung hat zu Verbesserungen geführt

Die EUDR tritt nach zweimaliger Verschiebung nun mit zwei Jahren Verspätung ab dem 30.12.2026 für große und mittlere Unternehmen, für kleine und Kleinstunternehmen ab dem 30.06.2027 in Kraft. Doch bereits im Vorfeld sind zahlreiche positive Auswirkungen zu beobachten: im öffentlichen, aber auch im privaten Sektor sowie auf lokaler als auch auf internationaler Ebene.

Auf lokaler Ebene

Verschiedenste Stakeholder arbeiten in zahlreichen Orten weltweit daran, digitale Rückverfolgbarkeitssysteme und die Erfassung von Produktionsflächen per GPS zu etablieren. Hierbei wird vielerorts auch an der Einbeziehung von Kleinbäuer*innen durch Partner*innen oder Regierungen gearbeitet. Die Rückverfolgbarkeit schafft die Voraussetzung, neben ökologischen Problemen auch soziale Missstände anzugehen. Zudem ermöglicht sie es Unternehmen, Risiken für Menschenrechte und Umwelt zukünftig besser abzuschätzen.

In kritischen Branchen

Besonders wird an Veränderungen in für Entwaldung kritischen Branchen gearbeitet, um beim Inkrafttreten der EUDR bereit zu sein ─ nicht selten durch Zusammenschlüsse unterschiedlichster Stakeholder.

Beispielsweise bereiten sich Akteure des Kakaosektors seit mehreren Jahren intensiv auf das neue Gesetz vor. So erfassten z.B. die Regierungen der beiden Hauptanbauländer, Côte d’Ivoire und Ghana, alle Kakaobäuer*innen, vermaßen ihre Kakaoplantagen und lokalisierten diese mit GPS. Ähnliches geschah in einigen anderen wichtigen Kakaoanbaugebieten, teils vorangetrieben durch die Regierungen, teils durch Unternehmen.

In Ghana zeigte sich die Bandbreite dieser Bemühungen beispielhaft bei einer Konferenz im Mai 2026. Hier fand eine hochrangige Fachveranstaltung mit Vertreter*innen verschiedenster Interessengruppen des Kakaosektors statt, an der auch EU-Vertreter*innen teilnahmen.

Bei Unternehmen

Diverse Unternehmen arbeiten intern an der Erfüllung der EUDR und stellen ihre Einkaufspraktiken und Risikoabschätzungen darauf ein. Beispielsweise werden für eine bessere Transparenz bewusst Lieferketten verkürzt und die Flächen der beliefernden Bäuer*innen systematisch erfasst. Die Nicht-Regierungsorganisation „Fern. Making Europe work for for People and Forests“ berichtet auf Grundlage von acht Fallstudien, dass das Engagement je nach Sektor und Land zwar variiert, aber einige Unternehmen neue Instrumente erproben und gemeinsam mit Regierungen und Partnern an nationalen Systemen sowie Pilotverfahren für den Warenhandel arbeiten. Dadurch können neue Standards entstehen.

Zudem ziehen Unternehmen bei Skandalen ihrer Zulieferer zügig Konsequenzen: Berichte über Entwaldung in Lieferketten von Holz aus Indonesien führten beispielsweise dazu, dass sowohl europäische als auch indonesische Unternehmen die Geschäftsbeziehungen zu den verantwortlichen Zulieferern beendeten. Der Druck, zu reagieren, ist für Unternehmen enorm gestiegen, denn ab Dezember dieses Jahres müssen sie mit Geldstrafen von mindestens 4 % ihres jährlichen EU-weiten Gesamtumsatzes und weiteren Sanktionen rechnen, wenn sie illegal geschlagenes Holz beziehen.

Auf politischer Ebene

Das Thünen-Institut stellte in einer international angelegten Policy Analyse fest, dass die Verordnung bereits vor ihrem Anwendungsbeginn politische Maßnahmen in zahlreichen Nicht-EU-Staaten positiv beeinflusst hat. Ähnliches berichtet Fern: verschiedene Regierungen richteten neue Arbeitsgruppen und Koordinierungsmechanismen ein, um den zukünftigen Anforderungen der EUDR gerecht zu werden, auch unter Zusammenarbeit von Ministerien und Branchenverbänden. Zudem wurden mehr Rechtssicherheit für Marktakteure geschaffen. Darüber hinaus wurden politische Debatten sowie Reformprozesse angestoßen, da die untersuchten Länder ihren jeweiligen nationalen Rechtsrahmen für Rohstoffproduktion und -handel im Hinblick auf die EUDR überprüft haben.

Weitere Verbesserungen sind zu erwarten

Das sind nur einige Beispiele hinsichtlich der bereits jetzt erfolgten positiven Auswirkungen. Zwar stellt die EUDR in ihrer jetzigen Fassung einen Kompromiss aus einer langen und hitzigen Auseinandersetzung dar. Doch obwohl die Verordnung mehrere in der jüngsten SÜDWIND-Studie dargelegten Chancen vertut und noch einige Hürden genommen werden müssen, so kann sie dennoch bei konsequenter Umsetzung weitere wichtige Verbesserungen herbeiführen.